| VERMISCHTES - JAGD |
| 06.02.2012 - 13:29 Uhr |
![]() | |
2011: Über 40 Tote durch Jäger und Jägerwaffen | |
| Jäger fürchten um ihr Image und spielen Opferzahlen herunter | |
Heilbronn (OPEN REPORT-ke). Die Initiative zur Abschaffung der Jagd hat 2011 über 40 Tote sowie Hunderte Verletzte durch Jäger und Jägerwaffen in Deutschland dokumentiert - aufgrund vorliegender Presseberichte und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Darunter sind klassische Jagdunfälle, bei denen Jäger, Treiber oder Spaziergänger aus Versehen statt eines Wildtiers erschossen werden. Hinzu kommen die Familientragödien und Straftaten mit Jägerwaffen: Gerade in Jägerhaushalten, wo Waffen leicht verfügbar sind, kommt es immer wieder zu tödlichen Familientragödien, wenn ein Jäger seine Frau, die Ex-Frau oder einen Nebenbuhler erschießt. Auch Nachbarn oder Mieter wurden 2011 von Jägern erschossen. Jäger spielen Opferzahlen herunter Offizielle Statistiken gibt es nicht - Jäger zählen nur die Zahl der Wildtiere, die sie erschießen. Und weil in den letzten Wochen und Monaten immer wieder in den Medien über Tote und Verletzte durch Jäger und Jägerwaffen berichtet wurde, spielen der Deutsche Jagdschutzverband sowie die einschlägigen Jägerzeitschriften die Opferzahlen nun herunter: «Jagdunfälle - Weniger als behauptet», titelt die Jägerzeitschrift WILD UND HUND Anfang Februar (Ausgabe 3/2012) und schreibt: «Angaben des Statistischen Bundesamtes widerlegen Behauptungen von Jagdgegnern, dass überproportional viele Unfälle auf der Jagd passieren.» Der Deutsche Jagdschutzverband veröffentlichte eigens eine Pressemitteilung mit dem Titel: «Daten zu Unfallrisiken widerlegen Behauptungen von Jagdgegnern» (9.12.2011). Darin hießt es: «Die Bundesgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften listet für das Jahr 2010 zwei Tote durch Schusswaffen - bei 350.500 Jagdscheininhabern in Deutschland». Alles Jägerlatein! Das Statistische Bundesamt führt gar keine Statistik über Tote und Verletzte durch Jäger und Jägerwaffen - sondern zählt lediglich «tödliche Unfälle mit Feuerwaffen» (für 2010 werden 11 Tote genannt). In die Rubrik «tödliche Unfälle mit Feuerwaffen» fällt allerdings höchstens der klassische Jagdunfall, also wenn ein Jäger bei der Jagd einen Jägerkollegen aus Versehen erschießt und es wirklich ein Unfall und keine fahrlässige Tötung war. Fahrlässige Tötung und natürlich alle Familientragödien («Jäger erschießt Ehefrau») sowie andere Straftaten mit Jägerwaffen («Jäger erschießt Mieter») fallen nicht in die Rubrik «Unfälle». Deswegen tauchen diese Fälle auch nicht bei den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften auf, die jedes Jahr immerhin um die 1.000 Verletzte durch Jagdunfälle zählen. Betroffen von den «Unfällen» sind immer wieder auch unbeteiligte Menschen wie Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer oder Landwirte auf dem Feld, die von Jägerkugeln getroffen und verletzt werden. Hunderte Menschen starben in den letzten Jahren durch Jäger und Jägerwaffen Die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert seit 2002 - also inzwischen seit zehn Jahren - Fälle von Toten und Verletzten durch Jäger und Jägerwaffen. Diese Dokumentation über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen ist allgemein zugänglich im Internet einzusehen: http://www.abschaffung-der-jagd.de/opfer/menschenalsjaegeropfer/index.html Jeder kann dort selbst die Zahl der Toten und Verletzten nachzählen. Die Dokumentation wurde aufgrund von Presseberichten erstellt. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Beispiele von Jäger-Opfern der letzten Wochen: «66-jähriger bei Jagd angeschossen», meldet die Polizei Borken am 5.2.2012. «Ehefrau mit Gewehr getötet", titelt die Heilbronner Stimme am 19.01.2012. Demnach muss sich ein 50-jähriger Jäger wegen Totschlags vor dem Landgericht Heilbronn verantworten. Er soll seine Lebensgefährtin erschossen haben, weil sie sich von ihm trennen wollte. «Eifersuchtsstreit: Jäger schießt versehentlich Ehefrau an", titelt das Nachrichtenportal www.ka-news.de am 10.1.2012. «Jäger lebensgefährlich angeschossen», titelt die Augsburger Allgemeine am 5.1.2012. Jäger erschießt Ehefrau: "Drei Monate nach einem blutigen Ehedrama im Münsterland hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen einen Hobbyjäger erhoben", meldet bild.de am 5.1.2012. Schusswaffe im Haus erhöht Risiko von Familientragödien Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts, die sich über einen Zeitraum von 10 Jahren erstreckt, kommt es zu 100 Toten bei Familiendramen jährlich in Deutschland - meist mit legalen Waffen. Der Kriminologe Dietrich Oberwittler vom Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, der ein Projekt zum Thema Familiendramen leitet, sagte in der Sendung TV Südbaden aktuell vom 8.7.2011: «Denn allein die Tatsache, dass man eine Schusswaffe besitzt, kann dazu führen, dass es dann im Konfliktfall eher mal zu so einer Gewalttat kommt, die vielleicht nicht passiert wäre, wenn es eben keine Waffe gegeben hätte.» Im Vergleich zu den Vorjahren gab es im Jahr 2011 etwas weniger klassische Jagdunfälle («Jäger erschießt bei der Jagd aus Versehen Jäger/Treiber»), dafür aber umso mehr tödliche Familiendramen mit Jägerwaffen («Jäger erschießt Ehefrau/Ex-Frau»). Und warum das alles? Weil eine Minderheit von 0,4 Prozent der Bevölkerung ein blutiges Hobby hat und gerne schwer bewaffnet durch die Natur läuft und wild lebende Tiere tot schießt. In Jagdzeitschriften und auf Jägertagungen geben die Hobbyjäger die «Freude am Beutemachen» und ihre «Lust am Töten» offen zu. Dagegen weisen namhafte Wissenschaftler, Biologen und íkologen seit Jahren auf den Widersinn der Jagd hin. Von Kurt Eicher | |
| News-ID: 158147 | 284 Aufrufe | |
| Der Inhalt namentlich oder durch Kürzel gezeichneter Beiträge gibt die Meinung des Verfassers wider, nicht die der Redaktion. |
| LESEN SIE AUCH: | |
| 29.11 2011 | Wer regelt den Artenschutz? | |
| 27.11 2011 | Hundeführer bei Treibjagd erschossen | |
| 25.04 2011 | Zahl der Frauen in Jagdvereinen nimmt kontinuierlich zu | |
| 23.03 2012 | Jäger hält an Informanten auf unterer NPD-Ebene fest | |
| 21.11 2011 | Honeckers Häuschen wird holländisch | |
| 21.11 2011 | Honeckers Jagdresidenz wechselt für 2,5 Millionen Euro.. | |
| 21.11 2011 | Versteigerung von Honeckers Jagdresidenz hat begonnen | |
| 20.02 2012 | (Bild) Immer mehr Frauen gehen auf die Jagd | |
| 18.11 2011 | NRW-Innenminister gegen Zentralregister für rechte Gew.. | |
| 17.04 2012 | Wilde Verfolgungsjagd in Sulzbach |
Tags: Jagd Schusswaffen Jagdunfälle Hobbyjagd Familientragödie Vermischtes Bericht Jäger |

vorherige Seite