| POLITIK - KRIMINALITäT |
| 25.10.2011 - 14:05 Uhr |
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Bergmann: Missbrauchsopfer weiter konsequent unterstützen | |
| Missbrauchsbeauftragte beendet ihre Amtszeit - Dank von der Bundesregierung | |
Berlin (dapd). Die Beauftragte zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch, Christine Bergmann, verlangt weiterhin konsequente Hilfen für Missbrauchsopfer. "Die schönsten Empfehlungen nutzen nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden", mahnte Bergmann am Dienstag in Berlin. Ihre Amtszeit endet am 31. Oktober, die Anlaufstelle für Betroffene soll aber erhalten bleiben. Zum Abschluss von Bergmanns Amtszeit wurden auch die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung präsentiert. 19.000 Anrufe und 3.000 Briefe seien bis Oktober in der Anlaufstelle eingegangen, insgesamt 6.300 davon konnten für die Begleitstudie ausgewertet werden, die der ärztliche Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm, Jörg Fegert, am Dienstag vorstellte. Fast 89 Prozent der Anrufer berichteten von mehrfachen und über einen längeren Zeitraum stattfindenden Missbrauch. Knapp 57 Prozent der Missbrauchsfälle haben sich den Angaben zufolge in den Familien ereignet, knapp 30 Prozent in Institutionen. Fast 88 Prozent der Täter waren demnach männlich. Mehr als 43 Prozent der Betroffenen gaben an, unter körperlichen Folgen wie etwa Bauch- oder Rückenschmerzen zu leiden, knapp 42 Prozent berichteten von Beziehungs- oder Partnerschaftsproblemen. Bergmann appellierte an die Politik, die Aufklärung sexuellen Missbrauchs weiterhin voranzutreiben. Insbesondere die Reform des Opferentschädigungsgesetzes bezeichnete sie als "überhaupt nicht befriedigend". Auch bei den bereits verjährten Fällen seien die Vorschläge zur Entschädigung "im Moment noch ziemlich verwaschen". Hier müsse sich der Runde Tisch "noch sehr viel präziser äußern". Der Runde Tisch hatte seine Arbeit im April 2010 aufgenommen, nachdem massenhaft Missbrauchsfälle in Schulen und katholischen Einrichtungen ans Licht gekommen waren. In dem Gremium beraten rund 60 Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirchen über einen besseren Schutz von Kindern. Die Ministerinnen Kristina Schröder (Famile, CDU), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Justiz, FDP) und Annette Schavan (Bildung, CDU) hatten das Gremium ins Leben gerufen. Der Abschlussbericht soll am 30. November vorliegen. Bergmann hatte ihren Bericht bereits im Mai vorgestellt. Darin machte sie unter anderem Vorschläge zur Zahlung von Entschädigungen sowie zur Übernahme von Therapiekosten. Die Arbeit ihrer Stelle soll fortgeführt werden, über die Leitung ist aber noch nicht entschieden. Bergmann forderte auch die rasche Umsetzung eines Hilfsmodells. Betroffene müssten sich an eine Clearing-Stelle wenden können. Die Kosten hierfür sollten vom Bund sowie je nach Verantwortungsbereich von Ländern und Institutionen getragen werden. Finanzielle Entschädigungen sollten die betroffenen Einrichtungen leisten. Auch bei den Beratungsstellen gebe es noch Defizite, die geschlossen werden müssten. Bergmann sprach sich für einen Rechtsanspruch auf Beratung aus. Die Bundesregierung dankte Bergmann für ihr Engagement. "Ohne ihren unermüdlichen Einsatz stünden viele von ihnen mit ihrem ganzen Leid weiterhin alleine da", sagte Familienministerin Schröder über die Missbrauchsopfer. Zugleich versicherte sie, dass "die Anlaufstelle als Hilfeangebot für Menschen, die als Kind sexuelle Gewalt erlitten haben oder erleiden, bruchlos weitergeführt wird". Zudem solle ein Expertengremium eingerichtet werden, "das sich mit den Hilfen für Betroffene von sexuellem Missbrauch auseinandersetzen und die Entschädigungsleistungen koordinieren soll". Auch Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger versicherte, dass die Bundesregierung sicher stellen werde, "dass Missbrauchsopfer auch in Zukunft ein offenes Ohr finden". Ähnlich äußerte sich Bildungsministerin Schavan. dapd | |
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