| KULTUR - KULTUR |
| 02.02.2012 - 16:16 Uhr |
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Die Intimität des Saul Leiter | |
| Hamburger Deichtorhallen zeigen weltweit erste große Retrospektive des US-Künstlers | |
Hamburg (dapd). Saul Leiter redet nicht gern über seine Kunst, geschweige denn über sich selbst. "Ich male, weil ich es mag zu malen. Ich fotografiere, weil ich es mag zu fotografieren. So einfach ist das", sagt der US-Künstler am Donnerstag in Hamburg. Extra aus New York ist der 88-jährige, kleine scheue Mann mit den kurzen, zerzausten grauen Haaren und der wuchtigen schwarzen Brille angereist, um seine weltweit erste große Retrospektive vorzustellen. Die Deichtorhallen der Hansestadt zeigen ab Freitag (3. Februar) mehr als 400 Arbeiten des fast Vergessenen und offenbaren bis 15. April eine bislang ungeahnte Bandbreite im Werk des verschlossenen Puristen. Die Schau vereint frühe Schwarzweiß- und Farbaufnahmen, Modefotografien, übermalte Aktfotos, seine Malerei sowie die noch nie präsentierten Skizzenbücher. Das letzte Kapitel von "Saul Leiter. Retrospektive" widmet sich den neuen Fotoarbeiten des Künstlers, in denen er immer noch auf den Straßen seiner Nachbarschaft im New Yorker East Village den Alltag einfängt. Die Kunst des Saul Leiter lässt sich weder nur in die Richtung der Fotografie einordnen, noch ausschließlich in die der Malerei. Er selbst sieht sich als Maler und Fotograf. In beidem tendiert er deutlich zu Abstraktion und Flächigkeit, beeinflusst von etwa Mark Rothko oder Franz Kline. Nach Angaben der Kuratoren Brigitte Woischnik und Ingo Taubhorn findet man bei Leiter große, tiefschwarze, von Schatten hervorgerufene Flächen, die bis zu drei Viertel seiner Fotografien einnehmen. Passanten werden nicht als Individuen in das Bild aufgenommen, sondern als verschwommene Farbimpulse - überlagert von Scheiben oder eingekeilt zwischen Hauswänden und Verkehrszeichen. Die Übergänge zwischen Abstraktion und Figurativem in seinen Malereien und Fotografien sind nahezu nahtlos. In alledem liegt "eine Stille, eine Selbstvergessenheit, eine Intimität", beschreibt Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow. Vordergründig sei das alles ganz unscheinbar, entwickele jedoch rasch ein vielsagende Tiefe. "Die Besucher werden Saul Leiter noch einmal ganz neu entdecken, seinen Facettenreichtum", sagt Luckow. 1923 in Pittsburgh geboren, wird der jüdisch-amerikanische Leiter erst vor wenigen Jahren entdeckt und gilt heute als einer der führenden Pioniere der Farbfotografie. Der Sohn eines Rabbiners interessiert sich gegen den Willen seines Vaters für die Kunst. Statt der Familientradition zu folgen, geht er 1946 nach New York. Schon damals, weit vor den Vertretern der "New Color Photography" der 1970er Jahre wie William Eggleston und Stephen Shore, benutzte er als einer der ersten die damals von Künstlern verachtete Farbfotografie. "Mit Saul Leiters Werk ist die Fotogeschichte bereits faktisch umgeschrieben", sagt Kurator Taubhorn. Fasziniert vom Werk des Künstlers haben Woischnik und Taubhorn zwei Jahre an der Ausstellung gearbeitet. Mehrmals haben sie sich mit Leiter in New York getroffen, sind ihm "scheibchenweise" nahegekommen und doch fern von ihm geblieben. "Saul Leiter gibt nicht sehr viel von sich preis, bewahrt stets Distanz", beschreibt Woischnik den Künstler. Es dauere eine ganze Weile, bis er einem vertraue. Taubhorn erklärt, dass Leiter "ein gewisses Misstrauen gegenüber Menschen hat", das er auch nicht wirklich ablege. "Er will sich nicht öffnen, aber sein Werk ist eng mit seinem Leben verbunden", sagt Taubhorn. So ist es auch am Donnerstag in den Deichtorhallen: Unscheinbar und abwesend, beinahe ängstlich wirkt Leiter, als das Blitzlichtgewitter auf ihn einprasselt. Für einen Moment hält er inne, blickt irritiert und greift dann schließlich zu seiner eigenen Kamera, um wiederum die Medienmeute abzulichten. Das gefällt ihm. Er lässt sogar Fragen zu, philosophiert ein wenig und sagt dann doch ganz nüchtern: "Ich war glücklich, als ich noch unbekannt war, weil mir damals niemand Fragen stellte. Heute werden mir so viele Fragen gestellt." Die Hamburger Schau selbst findet er "schrecklich nett, schrecklich gut". Aber eigentlich verdiene er das doch gar nicht, schmunzelt der Individualist und gewährt doch noch einen winzigen Einblick in seine Gedanken, zumindest in seinen Humor. dapd | |
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