| POLITIK - PARTEIEN |
| 21.02.2012 - 15:47 Uhr |
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Fernduell mit Samthandschuhen | |
| Kuriose Premiere am Aschermittwoch: CSU-Chef muss sich mit Attacken auf Gegner zurückhalten | |
Passau/Vilshofen (dapd). Auf der traditionellen Aschermittwochskundgebung der CSU in Passau kommt es in diesem Jahr zu einer kuriosen Premiere: Zum ersten Mal muss sich der Parteichef um Zurückhaltung statt um besonders heftige Attacken auf politische Gegner bemühen. Denn Horst Seehofer führt wegen des Rücktritts von Christian Wulff gegenwärtig als Bundesratspräsident die Geschäfte des Staatsoberhauptes - und hält Polemik in dieser Zeit für unangemessen. Vor einem Jahr hatte der CSU-Vorsitzende noch kräftig vom Leder gezogen. So bezeichnete er zur Freude der Zuhörer in der Dreiländerhalle die Grünen als "Partei der Steinewerfer" und Linke-Politiker als "Stasi-Kommunisten". Spott gab es auch für die FDP. Für Wirbel sorgte vor allem die Ankündigung, die CSU werde sich in der Berliner Koalition "bis zur letzten Patrone" dagegen sträuben, dass es eine "Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme" gebe. Diesmal wäre eigentlich der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude eine geeignete Zielscheibe für Seehofer gewesen. Schließlich könnte der designierte SPD-Spitzenkandidat dem bayerischen Ministerpräsidenten bei der Landtagswahl im Herbst 2013 tatsächlich gefährlich werden. Doch wegen des Wulff-Rücktritts und Seehofers neuer Aufgabe ist nur ein Fernduell mit Samthandschuhen zu erwarten. Auch Ude verzichtet auf den "Holzhammer" Auch Ude will in seinem Auftritt in Vilshofen auf den "Holzhammer" verzichten. "Das Florett ist mir lieber", sagte der SPD-Politiker zur Begründung. Gleichwohl sind von ihm deutliche Worte unter anderem zum Thema Schuldenabbau zu erwarten, bei dem Ude der CSU Populismus vorwirft. Einen Treffer hat die SPD schon gelandet: Ihre Kundgebung erfreut sich mit Ude als Hauptredner, der vom SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel unterstützt wird, ungewohnter Nachfrage. Bayerns SPD-Chef Florian Pronold jubilierte bereits: "Unsere ursprüngliche Planung mit einem Zelt für 2.500 Gäste erwies sich als zu klein. Dies zeigt, dass sich die Bayern-SPD weiter im Aufwind befindet." Das Festzelt in Vilshofen habe nun eine Kapazität von 3.500 Plätzen. Die CSU rechnet allerdings mit noch mehr Besuchern. Ein Sprecher sagte am Dienstag, die Dreiländerhalle sei bereits vor einer Woche "überbucht" gewesen. Deshalb wird auf dem Vorplatz eine Video-Leinwand für jene Aschermittwoch-Fans aufgebaut, die in der Halle keinen Platz mehr finden. Spannung vor Stoiber-Auftritt Mit Spannung wird dabei auch der Auftritt von Edmund Stoiber erwartet, der nach Seehofer sprechen wird. Der CSU-Ehrenvorsitzende war eigentlich kurzfristig mit dem Ziel eingeladen worden, als "Mister Aschermittwoch" für den Parteichef die derben Angriffe zu übernehmen. Aber Stoiber ließ am Wochenende klarstellen, er werde in Passau "grundsätzliche Anmerkungen zur politischen Lage machen". Die Auseinandersetzung mit den Konkurrenten bleibe "Aufgabe aktiver Politiker". Vielleicht lässt sich Stoiber fünf Jahre nach seiner letzten Rede in Passau ja doch zu ein paar Seitenhieben auf SPD und Grüne im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise hinreißen. Eine gute Vorlage für klare Worte bietet zudem das Vorpreschen der FDP bei der Kür des Wulff-Nachfolgers Joachim Gauck. Doch auch wenn Stoiber milde bleiben sollte, ist so gut wie sicher: Am Aschermittwoch wird es wie früher wieder zahlreiche "Edmund, Edmund"-Chöre geben. dapd | |
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