| VERMISCHTES - MEDIZIN |
| 25.09.2011 - 15:55 Uhr |
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Frühchen Paulina Emily überrascht alle mit seiner Kämpfernatur | |
| Neubrandenburger Baby kam in 22. Schwangerschaftswoche zur Welt | |
Greifswald (dapd). Paulina Emily kam viel zu früh auf die Welt. In der 22. Schwangerschaftswoche platzte das Neubrandenburger Baby am Abend des 8. Juni in das Leben ihrer Eltern, nachdem die Mutter wegen plötzlicher Wehen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die 24. Schwangerschaftswoche gilt eigentlich als Schallmauer, darunter sind die Überlebenschancen von Kindern zu gering. Aber Paulina Emily setzte ihre ganze Körperkraft ein und kämpfte um ihr Leben. "Sie wollte einfach, das hat man gemerkt", sagte ihr Arzt Sven Armbrust. Das kleine Mädchen war nur 27 Zentimeter groß, gerade einmal so lang wie ein DIN-A-4-Blatt, und wog 490 Gramm, von denen es in den ersten Lebenstagen noch 90 Gramm verlor. "Es war eine Grenzsituation, aber Paulina Emily war von Anfang an sehr lebhaft. "Eine richtige Kämpfernatur", sagt Armbrust, der als Leitender Oberarzt der Abteilung Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin der Greifswalder Unikinderklinik die Entwicklung des Frühchens von Anfang an mit begleitete. Dass ihr Baby die Lebensgrenze unterschreitet, war den Eltern Stefanie Möller und Marcel Busch bewusst, wie sie in einem Interview mit der Rostocker "Ostseezeitung" sagten. "Aber wir sind so stolz auf unsere Tochter und hoffen, dass sie ein quietschfideles Baby wird", sagte der 25 Jahre alte Vater. Nach fünf Wochen konnte das Mädchen schon allein atmen, die Ärzte ersetzten den Beatmungsschlauch durch eine Maske, die die Nase des Babys umschließt. "Bei so kleinen Babys kommen wir mit unseren Geräten und dem Equipment ans Limit", sagt der Mediziner. Nicht nur für die Greifswalder ist Paulina Emily eine kleine Sensation. Auch weltweit gibt es nur wenige vergleichbare Fälle, dass ein so früh geborenes Kind ins Leben startet. Das jüngste Frühchen Europas kommt aus Fulda, 2010 wurde ein Mädchen nach nur 21 Wochen und 5 Tagen Schwangerschaft der Mutter geboren. Das Kind wog bei der Geburt 460 Gramm. 1987 wurde in Kanada ein Junge in der 21. Schwangerschaftswoche plus fünf Tage geboren, der 624 Gramm auf die Waage brachte und überlebte. Gewöhnlich dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen, Babys wiegen bei der Geburt im Schnitt 3,5 Kilo. Als Grenze zum Leben wird in Deutschland die 24. Schwangerschaftswoche angesehen, alles andere bleiben Einzelfälle mit Überlebenschancen im einstelligen Prozentbereich, sagt Armbrust. Aber es gibt Unterschiede. "Mädchen sind zäher", sie kämpften mehr, sagt der Frühchenexperte, der schon auf der Frühgeborenenstation deutlich Charaktere der Kinder unterscheiden kann. "Es gibt die lebhaften, die mit den Armen rudern, sobald sie wach sind, und die Schläfer, die sich kaum rühren." Paulina Emily gehört zu den Agilen. "Das Mädchen und sein Überlebenswille sind ein kleines Wunder", sagt Armbrust. Das Kind wiegt inzwischen 1.800 Gramm. Es liegt weiterhin im Brutkasten, atmet aber schon allein mit Atemhilfe. Ernährt wird das Kind noch durch eine Sonde. Sowohl die Mutter, die wegen eines Rückenleidens im Rollstuhl sitzt, als auch der Vater kuscheln schon ausgiebig mit ihrer Tochter, ihrem ersten Kind. Beim sogenannten Känguruhn werden die Babys den Eltern auf die nackte Haut gelegt und können schön zugedeckt "kuscheln" ohne auszukühlen. Schon bald soll Paulina Emily ins Wärmebettchen umziehen und mit ihren Eltern nach Neubrandenburg entlassen werden. Dort wird sie zunächst noch weiter in einem Krankenhaus behandelt, Zeit genug hat sie dafür, wäre doch erst der 12. Oktober der errechnete Geburtstermin. In Deutschland kommen jährlich 60.000 bis 63.000 Neugeborene als Frühchen vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche zur Welt - 8.000 davon vor der 30. Schwangerschaftswoche. Die Zahlen der Frühgeborenen haben sich in den vergangenen Jahren kaum geändert, sagt Armbrust. Es kämen dank künstlicher Befruchtung jetzt mehr Geschwisterkinder, die bei Mehrlingsgeburten zu früh ins Leben starteten. Die Chancen auf ein gesundes Leben trotz Frühgeburt hätten sich sehr verbessert, dennoch bleibe die 24. Schwangerschaftswoche eine "Schallmauer", sagt Armbrust. dapd | |
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