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WIRTSCHAFT - MEDIEN
24.01.2012 - 12:18 Uhr
Machtwechsel bei der WAZ-Gruppe (dapd) - Foto: dapd/Sascha Schuermann

Machtwechsel bei der WAZ-Gruppe

Funke-Erbin Petra Grotkamp erwirbt Mehrheit an der Mediengruppe - Bodo Hombach geht

Essen (dapd). Machtwechsel bei der Mediengruppe WAZ: Nach jahrzehntelangem Patt zwischen den Gründerfamilien übernimmt die Tochter des Firmengründers Jakob Funke, Petra Grotkamp, die Mehrheit an dem Essener Medienkonzern. Die Unternehmerin kauft die Erben des zweiten WAZ-Mitbegründers Erich Brost aus dem Konzern heraus und hält damit künftig durchgerechnet 66,6 Prozent der Anteile an der Zeitungsgruppe, wie ihr Rechtsanwalt in der Nacht zum Dienstag mitteilte.

Das Bundeskartellamt habe der Transaktion bereits zugestimmt, betonte das Unternehmen. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Medienberichten zufolge soll er bei rund 500 Millionen Euro liegen. Der Erwerb erfolgt rückwirkend zum 31. Dezember 2011.

Der Testamentsvollstrecker Brosts, Peter Heinemann, betonte, er habe dem Verkauf schweren Herzens zugestimmt, da die drei Brost-Erben kein Interesse an der WAZ gehabt hätten. Das Ende des bisherigen Einigungszwanges zwischen den beiden Gründerfamilien werde aber die Entscheidungsfindung im Konzern erleichtern. "Für die Zukunft ist eine wichtige Voraussetzung, die WAZ-Mediengruppe weiter auszubauen", sagte er.

Der Machtwechsel hat auch personelle Konsequenzen. Der frühere Kanzleramtsminister Bodo Hombach, der zehn Jahre lang WAZ-Geschäftsführer war, scheidet aus dieser Position aus. Er betonte dennoch, er habe die nun erreichte Lösung von Anfang an als richtig erachtet. Die Neuordnung der Gesellschafterverhältnisse biete "eine große Chance für eine neue WAZ-Ära in einer im Umbruch befindlichen Medienlandschaft". Er werde den verbleibenden Eigentümerfamilien des Funke Stammes - Grotkamp, Schubries und Holthoff-Pförtner - weiter beratend zur Seite stehen.

Günther Grotkamp, der Ehemann der neuen WAZ-Mehrheitseigentümerin, betonte, die Familie übernehme den Brost-Anteil, weil sie an die WAZ glaube und das Unternehmen erfolgreich weiterführen wolle. An der Ausrichtung der Blätter werde sich nichts ändern, kündigte der 85-Jährige in einem Interview mit der WAZ-Mediengruppe an. Ein weiterer Stellenabbau in der Redaktion sei nicht geplant. "Allein durch Sparen kann man keine Umsätze und Gewinne und daher auch keine unternehmerischen Erfolge erzielen", sagte er.

Grotkamp schloss auch den Zukauf weiterer Zeitungen nicht aus. Voraussetzung sei aber, dass "das Kartellamt zustimmt, der Preis angemessen ist und die Zeitung in unsere Strategie passt". Einen Verkauf der Anteile an der österreichischen Boulevardzeitung "Krone" lehnte er ab.

Die Zeitungsgruppe WAZ ist einer der größten Regionalverlage in Europa. Unter ihrem Dach erscheinen unter anderem 40 Zeitungen ("Westdeutsche Allgemeine"), 175 Publikums- und Fachzeitschriften, rund 100 Anzeigenblätter und 400 Kundenzeitschriften.

dapd

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