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VERMISCHTES - BRAUCHTUM
25.11.2011 - 17:00 Uhr
Die Leiterin des Glasmuseums in Wertheim, Marianne Tazlari - Foto: dapd/Daniel Peter

Von König Ludwig bis zu glitzernden Broschen

Glasmuseum Wertheim zeigt bis Januar historischen und kuriosen Weihnachtsschmuck

Wertheim (dapd-bwb). An dem vier Meter hohen Christbaum im Erdgeschoss des Glasmuseums Wertheim hängen über 500 verschiedene Sorten historischen und modernen Weihnachtsschmucks. Mit dabei sind viele Kuriositäten aus Glas, wie der Kopf des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II., ein US-Truck oder auch eine Champagnerflasche zum Jahrtausendwechsel.

"Da wir alles zeigen wollen, gehören Nippes und Schnickschnack dazu", begründet Glasbläser und Museumsmitarbeiter Ralf Marlok die ungewöhnliche Schmuckmischung des sogenannten Thüringer Baumes. Er ist Teil der am Samstag (26. November) beginnenden Weihnachtsausstellung "Christbaumschmuck aus Glas" mit über 2.000 zerbrechlichen Exponaten, die bis zum 8. Januar in der baden-württembergischen Stadt nahe der bayerischen Grenze zu sehen ist.

Ebenfalls am Baum hängen sogar rosa Eier mit Hasenmotiven. "Das gibt es heute gar nicht mehr, früher hatte man aber tatsächlich auch Eier am Baum als Zeichen der Fruchtbarkeit", erklärt Museumsleiterin Marianne Tazlari.

Der Ursprung des Christbaumschmuckes liege im 15. Jahrhundert in Freiburg, wo Bäcker den Baum mit Essbarem behängt hätten. 1848 haben dann nach ihrer Darstellung Glasbläser im thüringischen Lauscha begonnen, den essbaren Schmuck nachzuahmen. Diese ersten Versuche werden in der Ausstellung gezeigt.

Vom heutigen Gold- und Silberglanz ist dabei freilich noch gar nichts zu sehen. Der entwickelte sich erst mit der zunehmenden Verbreitung des Weihnachtsbaumes in der Bevölkerung ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. "Das geht zurück auf Kaiser Wilhelm, der 1871 solche Weihnachtsbäume auch seinen Soldaten schickte", führt Tazlari aus. Entsprechend erkläre sich auch die Form vieler Christbaumspitzen: "Die sehen oft aus wie eine Pickelhaube und das kommt auch genau aus dieser Zeit."

Die unterschiedlichen Formen, die seit Generationen innerhalb der Glasbläserfamilien weitergegeben werden, haben nach ihrer Aussage auch tiefere Bedeutung. So stünden Vögel allgemein für Geborgenheit und häusliches Glück, die Eule speziell für Weisheit, die Taube für Frieden. "Die Glasbläser hatten damals alle einen Käfig mit Vögeln in der Werkstatt stehen. Wenn die sich wenig bewegten, war es ein Zeichen für knapp werdenden Sauerstoff, welchen die Gasbrenner verbrauchten. Die Tiere waren also quasi so etwas wie ein Lebensretter", erläutert die Museumsleiterin.

Das Glanzstück der Ausstellung ist eine Sammlung von 55 bisher noch nie gezeigten Weihnachtsbaum-Broschen aus Strasssteinchen aus der Sammlung Ingrid von Brackel. Die meist handgefertigten Stücke aus den 1940er bis 1960er Jahren sind bunt, dekorativ, ausgefallen und gelten unter Sammlern als echte Kleinode weihnachtlichen Modeschmucks. Erstmals tauchten solche Broschen um 1920 auf. "Die Trauer war nach dem Ersten Weltkrieg vorbei, zu Weihnachten mochte man es bunt und es sollte funkeln", erklärt Tazlari den Ursprung der Broschen.

Der Weihnachtsbaum steht übrigens noch nicht all zu lange in deutschen Wohnstuben, davor hing er. "Das war bis in die 1920er Jahre in Franken und Thüringen üblich, besonders bei kleinen Bäumen. Und um Platz zu sparen, hat man ihn teilweise auch noch mit der Spitze nach unten mit einem Haken an der Decke aufgehängt", berichtet die Museumsleiterin.

(http://www.glasmuseum-wertheim.de/)

dapd

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