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VERMISCHTES - KULTUR
21.02.2012 - 12:50 Uhr
Michael Fredrich (dapd) - Foto: dapd/Nigel Treblin

Wie Hanoman gegen den Groben Braunschweiger kämpft

Der Hannoveraner Comiczeichner Michael Fredrich erfindet Parodie auf Superhelden

Hannover (dapd). Eigentlich mag der Comiczeichner Michael Fredrich gar keine Superhelden-Geschichten. Doch als das Magazin "Stadtkind" ihm die Idee eines tollpatschigen Hannoveraner Superhelden offerierte, kam er auf den Geschmack. "Hanoman sollte er heißen, das wusste ich sofort", erinnert sich Fredrich. Und der Rivale musste ein Braunschweiger sein, der Grobe Braunschweiger - in Anlehnung an die gleichnamige Mettwurst-Spezialität dieser Stadt.

In zwölf Teilen veröffentlichte das hannoversche Stadtmagazin die Geschichte. Mittlerweile gibt es sie als Gesamtausgabe auf dem Markt, inklusive aller unveröffentlichten Szenen. Zusätzlich können die von Fredrich selbst komponierten Soundtracks zu den einzelnen Figuren auf dessen Webseite heruntergeladen werden.

In den Geschichten geht es darum, dass der Grobe Braunschweiger Hannover aus Rache verwüsten will. Der katapultiert die bekannte Kröpcke-Uhr auf das Dach eines Hochhauses und schmeißt Klärschlamm in den Maschsee. Den in einem Bogen auf die Kuppel des Rathauses fahrenden Lift, eine Sehenswürdigkeit Hannovers, zerstört der Grobe Braunschweiger, indem er durch eine geheimnisvolle Strahlung alles begradigt.

Superheld Hanoman gibt sein Bestes, sich dem Schurken zu widersetzen. Aber der Tollpatsch sei auch noch ein "Angsthase", erzählt Fredrich. Mit einem Anzug aus Gummimuskeln versuche sich der Schwächling zu tarnen und parodiere dadurch eher die Figur des Superhelden.

Den Kampf der Kontrahenten zeichnet Fredrich mit viel Ironie und Witz. Vor allem franko-belgische Einflüsse habe sein Comicstil, verrät der Autor, der von sich sagt, "dass er nur zeichnen, aber nicht malen kann". Schon als Kind sei er von belgischen Comics wie "Spirou und Fantasio" oder den "Schlümpfen" begeistert gewesen.

Nach dem Studium des Bibliotheks- und Dokumentationswesens arbeitete der heutige Illustrator unter anderem in einem Comicladen. Privat lese er noch heute gerne Comics, vor allem sogenannte Graphic Novels. Vergleichbar mit Bilder-Romanen, erschienen diese mit "zeichnerisch sehr wertvollen und ausgereiften Charakteren", sagt er. Auch hätten sie meist einen größeren Seitenumfang.

In "Hanoman" selbst finden sich viele Anspielungen auf andere bekannte Comics. Szenen erinnern an Superman und Batman, aber auch an das Drama "Die Räuber" von Friedrich Schiller. Mit dessen Soundword "PFLUMPF!" spielt Fredrich in einer Szene, in der der Grobe Braunschweiger einen ganzen Faulturm an Schlamm in den Maschsee wirft.

Einige Szenen zielen auch auf die Politiker der niedersächsischen Landeshauptstadt ab, wie Fredrich sagt. Aber sein Leserkreis sei nicht auf Hannover beschränkt. Noch als die Fortsetzungsgeschichte lief, habe er über seine Webseite auch Zuschriften aus Süddeutschland erhalten. Einmal habe ihn ein Leser gefragt, "ob Hanoman in der nächsten Folge die Hosen runterlässt und sich zu erkennen gibt", erinnert sich Fredrich.

Aber das tut der "Superheld" nicht, jedenfalls nicht offiziell. Im Grunde genommen wisse jedoch die ganze Stadt, wer sich hinter den Gummimuskeln verbirgt, scherzt Fredrich. Nur Hanomans große Liebe, die neu nach Hannover gezogene Conny, tappt bis zum Schluss im Dunkeln.

Wie es zwischen den Rivalen Hanoman und dem Groben Braunschweiger letztlich ausgeht, wusste Fredrich hingegen von Anfang an. Er habe die Geschichte quasi von hinten aufgerollt, erzählt er. Eine spürbare historische Rivalität zwischen den beiden Städten gebe es seines Wissens nach aber nicht, sagt der gelernte Bibliothekar. Lediglich die Fußballfeindschaft zwischen den Klubs Hannover 96 und Eintracht Braunschweig sei seine Inspirationsquelle für die Kontrahenten gewesen.

(www.michael-fredrich.de)

dapd

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